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NR.
106 JAHR 2002 DONNERSTAG, 6. JUNI

 

ES FUSIONIERT, LEITET, SCHREIBT UND VERANTWORTET: MENASSA 2002

 WIR KÖNNEN ZWAR NICHT SPRECHEN, DAFÜR TUN WIR'S IN MEHREREN SPRACHEN
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LLANTOS DEL EXILIO


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EINER FUSION
DER GLANZ DES GRAUS
UND
DER INDIANER AUS DER JARAMA
DIE ZUKUNFTSTRÄCHTIGSTE FUSION DES
21. JAHRHUNDERTS

 Indio Gris


INDIO GRIS NR. 106

JAHR III  

GESPRÄCH MIT DEM DICHTER MIGUEL OSCAR MENASSA

von Arantxa Echeverría - eresMas
Sonntag, 2. Juni 2002

Arantxa Echeverría: Was ist Freizeit?

Miguel Oscar Menassa: Genau das ist es, was ich sagen will, weil es sehr wichtig ist. Die Sache ist so, Freizeit, wenn da nichts etwas Schöpferisches dabei ist, ist etwas anderes. Denn im Sport, wenn da das gleiche passieren soll wie im Schöpferischen, dann muss es der Sport sein, wo man nicht von sich selbst abhängig ist, sondern von den Zielen, die man erreichen muss. Denn die vorgezeichnete Freizeit wurde vom Staat programmiert, und das ist keine Freizeit, die ist dazu da, damit das Subjekt sich ausruht und zur Arbeit zurückkehrt, denn die wirklich schöpferischen Tätigkeiten können nicht den Gedanken zulassen, wonach ich eines Tages nicht mehr zur Arbeit gehe. Und nicht, dass das noch nie vorgekommen wäre, H. Miller war Angestellter bei der Post. Mit 44 Jahren, nachdem er seine Arbeitskollegen beobachtet hatte (“der Flohmensch” war ein Angestellter, der sich immer kratzte, es sind alles reale Figuren) fing er an, seinen ersten Roman zu schreiben und hörte auf zu arbeiten. Er konnte seinen Arsch hinstrecken.

 Mein Fall war der eines reichen Mannes, der alles für die Poesie gab, deswegen muss ich weiterarbeiten. Ein starkes Stück!

 Arantxa Echeverría: Was halten Sie von den verschiedenen Freizeitaktivitäten der Leute?

 MOM: Ich glaube, das kapitalistische Produktionssystem ist ein System, das die Welt humaner gemacht hat, im Sinne von, es hat an das Ausspannen des Arbeiters gedacht, damit er zur Arbeit zurückkehrt, und um die kapitalistische Prduktion von anderen Produktionsweisen zu differenzieren, wie der versklavenden Produktion. Was das kapitalistische System erreicht, ist nämlich, dass die Freizeit Teil der Arbeit ist, das heißt, die Freizeit ist eine solche Freizeit, dass sie dem Kandidaten, dem Arbeiter, gestattet, am Montag oder Dienstag arbeiten zu gehen oder an dem Tag, an dem er gerade dran ist. Es kann keine schöpferische Freizeit sein, deswegen sage ich, der Staat lässt das Schöpferische nicht zu. Bei einer schöpferischen Freizeit habe ich die Möglichkeit, nicht zur Arbeit zurückzukehren, weil ich eine andere Arbeit gefunden habe, ich kann Chef werden, weil ich das Geld verdiene, das ein anderer nicht verdient, ich kann  in eine andere Gesellschaftsschicht wechseln. Bei einer schöpferischen Freizeit kann ich sogar meine Freundin wechseln. Das sind alles Dinge, die die vorbestimmte Freizeit nicht gestattet.

 AE: Was ist die vorbestimmte Freizeit?

 MOM: Der Fußball, die Möglichkeit sich über die Politiker, die gerade in sind, lustig zu machen, das ist Teil der vorbestimmten Freizeit.

 AE: Dieses Video ist ein Spanischkurs für Ausländer, das Kapitel heisst “Freizeit in Spanien”, was machen die Spanier in ihrer Freizeit.

 MOM : Es gibt zwei Arten von Freizeit: eine Art Freizeit ist vorbestimmt, damit ich zur Arbeit zurückkehre und die andere, eine schöpferische Freizeit, und da können Sie alles Mögliche anführen: tanzen, malen, schreiben, lieben, was Sie wollen. Damit sage ich Ihnen, wenn mich der Staat an einer Freizeitgestaltung teilnehmen lässt, wo ich verliere oder gewinne, dann gibt er mir Zugang zu einer Dialektik, die einzig und allein dazu führt, dass ich dort bleibe, wo ich bin. Ein Spiel, bei dem ich gewinnen kann,  dabei kann ich auch verlieren,  und da der Betrieb, das Unternehmen, meine Kollegschaft und der Staat immer  etwas Größeres sind als ich, werde ich immer verlieren. Die schöpferische Freizeit dagegen ist eine Freizeit, wo jemand weder gewinnt noch verliert, der Preis ist, es getan zu haben, es muss mir nicht einmal gefallen, denn der Preis ist, die leere weiße Leinwand bekleckert zu haben, sie um die Wesensmerkmale der weißen Leinwand, des Leinens, gebracht zu haben. Die Freiheit, die Freiheit, die kann ich mit nichts machen, aber ich kann jedoch das Bild bekleckern, das kann ich weder mit meiner Freundin machen noch mit meiner Mutter, noch mit meinem Papa. Mit dem Schöpferischen dagegen kann ich es, ich kann ein Gedicht zerreißen und dabei denken, ich werde eine anderes schreiben, ich kann aber keine Liebe von meiner Seite weisen und denken, ich werde eine andere haben.

 AE: Wie sind Sie zur Poesie und zur Malerei gekommen?

 MOM: Ich war zuerst Dichter, ich schreibe seitdem ich ganz klein war, ich habe 40 Gedichtbände veröffentlicht. Mit 21 habe ich mein erstes Buch veröffentlicht. Das Malen ist etwas Spanisches, so kann man sagen, dass auch ich eine Zeit lang Exilant war, jetzt bin ich kein Exilant, weil ich viele Steuern bezahle. Ich bin ein Bürger erster Klasse, nicht weil ich viel besser geworden wäre, sondern weil ich Steuern bezahle. Ich fing hier im Jahr 79 damit an zu malen, das heißt, also vor mehr als 20 Jahren. Aber es stimmt, dass Gedichtbände illustriert werden, ich hatte befreundete Maler, die meine Gedichte illustrierten, aber jetzt werde ich ein Buch herausbringen, das “dibujos hacen versos” (Bilder machen Verse) heißen wird, ich werde mir die Mühe machen, die Bilder anzusehen und ein Gedicht über meine Bilder schreiben, statt mit meinen Bildern meine Gedichte zu illustrieren, das habe ich nämlich schon des öfteren getan. Eigentlich male ich ich in der letzten Zeit lieber, als dass ich schreibe.

 AE: Glauben Sie, es gibt viele Menschen, die sich der Malerei und der Poesie widmen?

 MOM: Ich Spanien gibt es viele Leute, die sich der Poesie und der Malerei widmen, zum Beispiel gibt es unendlich viele Zeitschriften für Poesie, die nicht sehr bekannt sind, die keine großen Auflagen haben, aber unendliche viele Zeitschriften für Poesie. Es gibt Poesieliebhaber. Wo sonst, wenn nicht in Madrid,  könnte man die Zeitschrift machen, die wir machen? Man kann es machen, da eine Menge Menschen, die in Madrid leben, ehrenamtlich dazu beitragen, dass eine Zeitschrift für Poesie diesen Ausmaßes existieren kann. Eine Zeitschrift für Poesie mit einer monatlichen Auflage von 125.000 Exemplaren, durch die die Leute neue Dichter kennen lernen. Das jedoch, weil ich von mir spreche, denn der Mensch will immer von sich sprechen. Außer der Arbeit, die wir hier machen, gibt es unendlich viele Zeitschriften für Poesie, und zugegeben, die Poesie ist zur Zeit in Mode.

Ich buchstabiere deinen Namen,
hartnäckigst
wende deinen Namen,
schreibe deinen Namen,
mache mit deinem Namen
ein herrrliches Lied.

Verpuppt
sabbere ich
um mich herum
und wachse.

MEINE LIEBE, 

Wenn die Klanghörner des Lebens auseinander brechen, wird alles  das zerbröckelnde Grauen sein.

Du bringst mich um, Nachtvogel, und gleichzeitig verwandelst du mich in Daseinsfreude.

Wenn das Gesicht wild ist, wenn sich die Daseinsfreude auf ein Sein zwischen seinen Beinen reduziert, dann fühle ich, ich werde niemals mehr Mensch sein.

Ich finde unter den Abfällen meines Lebens, die poetischsten Plätze, die himmlischsten Orte. Ich fliege nicht, sehen Sie nicht, dass ich nicht mehr fliege?

Ich suche die Lebenssinne in ihr, auf den Boulevards, und zerbreche ihre Kindheit vor aller Welt.

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G

-Schauen Sie nur, Herr Doktor, seit ein paar Jahren versuche ich es schon, und ich kann ihn ihr nicht einmal einführen; danach nimmt das Luderchen die Pille, nimmt nicht die Pille, und wir haben ganz selten Sex.

 - Ich habe nichts dagegen, sagte ich ihr, dass sie eine Stunde mehr in der Woche kommen.

 Er machte mit seinem Thema weiter:

 - Ihr gelingt nicht, was sie will, das stimmt, aber sie trägt auch nichts zum Gelingen bei.

 Was will sie? Frage ich mich, und das bedeutet, sich in einer echten Leere zu befinden.

 Sie will alles, aber sie erträgt es nicht, nichts zu haben, und das kommt bei ihr gleichzeitig vor.

 Aber ich, Herr Doktor, bin ein ganz Feiner, ich habe nur Sex mit Nutten. Mit ihr, wenn sie mich um Geld bitten muss.

 - Machen wir beim nächsten Mal weiter.

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Wenn wir Sex mit der Hand hatten, holte ihr Heulen den Himmel zu uns herunter.Wenn ich sie mit den Händen fickte, verschwand der Himmel, geräuschlos.

Was meinen Sie?

Pornogrphie oder  Erotik?

Abtimmung bis heute:

Pornographie: 220.000       Erotik: 365.000

 

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1

 Es war sich einmal alles gleich und niemand war zu einer Realität fähig.

 2

 Wilde Begegnung, die des Wahnsinns in kapitalistischen Systemen, wo der Wahnsinnige, eher noch als Liebe und Verständnis, ein wenig Geld braucht, weil niemand die Behandlung übernehmen will.

 3

 Suchen oder nicht suchen, beide Formen sind gute Formen, um zu finden und auch um nicht zu finden

4

Bei wachsenden Schwierigkeiten werden nur die Supermenschen überleben.

Ich gehe einem Unmöglichen nach, zum bitteren Gewissen des Okzidents. Aber andere Zeiten können all dem, was ich tue, einen wahrhaftigen Sinn beimessen. Ich bin weder ein Faulenzer, noch ein Arbeiter, ich bin  ein Außerirdischer. Ich liebe all das Unmögliche, all das Entfernte. Andere Menschen schlagen die Saite, die ich schlage, und das wird der ganze Rausch sein.

Ich lebe, wie ich eben kann. Jeden Morgen wundere ich mich, noch eine Tag länger da zu sein. Jeden Abend, wenn ich bis an meine Schlafstatt komme, frage ich mich: Wie viele Nächte noch werde ich wohl noch erreichen? Und so lebe ich, in einer Dauerniederlage, in einem Dauerschüttelfrost. Voller Schrecken schreibe ich meine Verse. Ich mache meine Lieben voller Schrecken. Danach wird noch irgendjemand sagen, ich sei ein Genie gewesen, aber ich lebe voller Schrecken.

Meistens verliere ich, und wenn ich gewinne, erwarten schon hundert hungrige Münder diesen Ton.

 Indio Gris


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EDITORIAL GRUPO CERO
EN LA
FERIA DEL LIBRO
PARQUE DEL RETIRO DE MADRID
Caseta Nº 55
31 DE MAYO AL 16 DE JUNIO 

LLANTOS DEL EXILIO

AUTOR:
Miguel Oscar Menassa
75 Seiten
18 €,  20 US$
Enthält dreizehn Drucke mit einigen der besten Bilder des Werkes 
von Miguel Oscar Menassa.
 

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