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INTERNET-WOCHENZEITSCHRIFT ES FUSIONIERT, LEITET, SCHREIBT UND VERANTWORTET: MENASSA 2002 WIR
KÖNNEN ZWAR NICHT SPRECHEN, DAFÜR TUN WIR'S IN MEHREREN SPRACHEN
INDIO GRIS NR. 106 JAHR III GESPRÄCH
MIT DEM DICHTER MIGUEL OSCAR MENASSA von
Arantxa Echeverría - eresMas Arantxa Echeverría: Was
ist Freizeit? Miguel Oscar Menassa: Genau
das ist es, was ich sagen will, weil es sehr wichtig ist. Die Sache ist so,
Freizeit, wenn da nichts etwas Schöpferisches dabei ist, ist etwas anderes.
Denn im Sport, wenn da das gleiche passieren soll wie im Schöpferischen, dann
muss es der Sport sein, wo man nicht von sich selbst abhängig ist, sondern von
den Zielen, die man erreichen muss. Denn die vorgezeichnete Freizeit wurde vom
Staat programmiert, und das ist keine Freizeit, die ist dazu da, damit das
Subjekt sich ausruht und zur Arbeit zurückkehrt, denn die wirklich schöpferischen
Tätigkeiten können nicht den Gedanken zulassen, wonach ich eines Tages nicht
mehr zur Arbeit gehe. Und nicht, dass das noch nie vorgekommen wäre, H. Miller
war Angestellter bei der Post. Mit 44 Jahren, nachdem er seine Arbeitskollegen
beobachtet hatte (“der Flohmensch” war ein Angestellter, der sich immer
kratzte, es sind alles reale Figuren) fing er an, seinen ersten Roman zu
schreiben und hörte auf zu arbeiten. Er konnte seinen Arsch hinstrecken. Mein
Fall war der eines reichen Mannes, der alles für die Poesie gab, deswegen muss
ich weiterarbeiten. Ein starkes Stück! Arantxa Echeverría:
Was halten Sie von den verschiedenen Freizeitaktivitäten der Leute? MOM: Ich glaube, das
kapitalistische Produktionssystem ist ein System, das die Welt humaner gemacht
hat, im Sinne von, es hat an das Ausspannen des Arbeiters gedacht, damit er zur
Arbeit zurückkehrt, und um die kapitalistische Prduktion von anderen
Produktionsweisen zu differenzieren, wie der versklavenden Produktion. Was das
kapitalistische System erreicht, ist nämlich, dass die Freizeit Teil der Arbeit
ist, das heißt, die Freizeit ist
eine solche Freizeit, dass sie dem Kandidaten, dem Arbeiter, gestattet, am
Montag oder Dienstag arbeiten zu gehen oder an dem Tag, an dem er gerade dran
ist. Es kann keine schöpferische Freizeit sein, deswegen sage ich, der Staat lässt
das Schöpferische nicht zu. Bei einer schöpferischen Freizeit habe ich die Möglichkeit,
nicht zur Arbeit zurückzukehren, weil ich eine andere Arbeit gefunden habe, ich
kann Chef werden, weil ich das Geld verdiene, das ein anderer nicht verdient,
ich kann in eine andere
Gesellschaftsschicht wechseln. Bei einer schöpferischen Freizeit kann ich sogar
meine Freundin wechseln. Das sind alles Dinge, die die vorbestimmte Freizeit
nicht gestattet. AE: Was ist die vorbestimmte
Freizeit? MOM: Der Fußball,
die Möglichkeit sich über die Politiker, die gerade in sind, lustig zu machen,
das ist Teil der vorbestimmten Freizeit. AE: Dieses Video ist ein
Spanischkurs für Ausländer, das Kapitel heisst “Freizeit in Spanien”, was
machen die Spanier in ihrer Freizeit. MOM : Es gibt zwei Arten
von Freizeit: eine Art Freizeit ist vorbestimmt, damit ich zur Arbeit zurückkehre
und die andere, eine schöpferische Freizeit, und da können Sie alles Mögliche
anführen: tanzen, malen, schreiben, lieben, was Sie wollen. Damit sage ich
Ihnen, wenn mich der Staat an einer Freizeitgestaltung teilnehmen lässt, wo ich
verliere oder gewinne, dann gibt er mir Zugang zu einer Dialektik, die einzig
und allein dazu führt, dass ich dort bleibe, wo ich bin. Ein Spiel, bei dem ich
gewinnen kann, dabei kann ich auch
verlieren, und da der Betrieb, das
Unternehmen, meine Kollegschaft und der Staat immer
etwas Größeres sind als ich, werde ich immer verlieren. Die schöpferische
Freizeit dagegen ist eine Freizeit, wo jemand weder gewinnt noch verliert, der
Preis ist, es getan zu haben, es muss mir nicht einmal gefallen, denn der Preis
ist, die leere weiße Leinwand bekleckert zu haben, sie um die Wesensmerkmale
der weißen Leinwand, des Leinens, gebracht zu haben. Die Freiheit, die
Freiheit, die kann ich mit nichts machen, aber ich kann jedoch das Bild
bekleckern, das kann ich weder mit meiner Freundin machen noch mit meiner
Mutter, noch mit meinem Papa. Mit dem Schöpferischen dagegen kann ich es, ich
kann ein Gedicht zerreißen und dabei denken, ich werde eine anderes schreiben,
ich kann aber keine Liebe von meiner Seite weisen und denken, ich werde eine
andere haben. AE: Wie sind Sie zur Poesie und
zur Malerei gekommen? MOM: Ich war zuerst Dichter, ich
schreibe seitdem ich ganz klein war, ich habe 40 Gedichtbände veröffentlicht.
Mit 21 habe ich mein erstes Buch veröffentlicht. Das Malen ist etwas
Spanisches, so kann man sagen, dass auch ich eine Zeit lang Exilant war, jetzt
bin ich kein Exilant, weil ich viele Steuern bezahle. Ich bin ein Bürger erster
Klasse, nicht weil ich viel besser geworden wäre, sondern weil ich Steuern
bezahle. Ich fing hier im Jahr 79 damit an zu malen, das heißt, also vor mehr
als 20 Jahren. Aber es stimmt, dass Gedichtbände illustriert werden, ich hatte
befreundete Maler, die meine Gedichte illustrierten, aber jetzt werde ich ein
Buch herausbringen, das “dibujos hacen versos” (Bilder machen Verse) heißen
wird, ich werde mir die Mühe machen, die Bilder anzusehen und ein Gedicht über
meine Bilder schreiben, statt mit meinen Bildern meine Gedichte zu illustrieren,
das habe ich nämlich schon des öfteren getan. Eigentlich male ich ich in der
letzten Zeit lieber, als dass ich schreibe. AE: Glauben Sie, es gibt viele
Menschen, die sich der Malerei und der Poesie widmen? MOM: Ich Spanien gibt es viele
Leute, die sich der Poesie und der Malerei widmen, zum Beispiel gibt es
unendlich viele Zeitschriften für Poesie, die nicht sehr bekannt sind, die
keine großen Auflagen haben, aber unendliche viele Zeitschriften für Poesie. Es
gibt Poesieliebhaber. Wo sonst, wenn nicht in Madrid,
könnte man die Zeitschrift machen, die wir machen? Man kann es machen,
da eine Menge Menschen, die in Madrid leben, ehrenamtlich dazu beitragen, dass
eine Zeitschrift für Poesie diesen Ausmaßes existieren kann. Eine Zeitschrift
für Poesie mit einer monatlichen Auflage von 125.000 Exemplaren, durch die die
Leute neue Dichter kennen lernen. Das jedoch, weil ich von mir spreche, denn der
Mensch will immer von sich sprechen.
Außer
der Arbeit, die wir hier machen, gibt es unendlich viele Zeitschriften für
Poesie, und zugegeben, die Poesie ist zur Zeit in Mode. Ich
buchstabiere deinen Namen, Verpuppt MEINE LIEBE, Wenn
die Klanghörner des Lebens auseinander brechen, wird alles
das zerbröckelnde Grauen sein. Du
bringst mich um, Nachtvogel, und gleichzeitig verwandelst du mich in
Daseinsfreude. Wenn
das Gesicht wild ist, wenn sich die Daseinsfreude auf ein Sein zwischen seinen
Beinen reduziert, dann fühle ich, ich werde niemals mehr Mensch sein. Ich
finde unter den Abfällen meines Lebens, die poetischsten Plätze, die
himmlischsten Orte. Ich fliege nicht, sehen Sie nicht, dass ich nicht mehr
fliege? Ich
suche die Lebenssinne in ihr, auf den Boulevards, und zerbreche ihre Kindheit
vor aller Welt.
-Schauen Sie nur, Herr Doktor, seit ein paar Jahren versuche ich es schon, und ich kann ihn ihr nicht einmal einführen; danach nimmt das Luderchen die Pille, nimmt nicht die Pille, und wir haben ganz selten Sex. -
Ich habe nichts dagegen, sagte ich ihr, dass sie
eine Stunde mehr in der Woche kommen. Er machte mit seinem Thema weiter: -
Ihr gelingt nicht, was sie will, das stimmt,
aber sie trägt auch nichts zum Gelingen bei. Was
will sie? Frage ich mich, und das bedeutet, sich in einer echten Leere zu
befinden. Sie
will alles, aber sie erträgt es nicht, nichts zu haben, und das kommt bei
ihr gleichzeitig vor. Aber
ich, Herr Doktor, bin ein ganz Feiner, ich habe nur Sex mit Nutten. Mit
ihr, wenn sie mich um Geld bitten muss. -
Machen wir beim nächsten Mal weiter.
Wenn
wir Sex mit der Hand hatten, holte ihr Heulen den Himmel zu uns
herunter.Wenn ich sie mit den Händen fickte, verschwand der Himmel, geräuschlos.
1 Es
war sich einmal alles gleich und niemand war zu einer Realität fähig. 2 Wilde
Begegnung, die des Wahnsinns in kapitalistischen Systemen, wo der
Wahnsinnige, eher noch als Liebe und Verständnis, ein wenig Geld
braucht, weil niemand die Behandlung übernehmen will. 3 Suchen
oder nicht suchen, beide Formen sind gute Formen, um zu finden und auch
um nicht zu finden 4 Bei wachsenden Schwierigkeiten werden nur die Supermenschen überleben. Ich
gehe einem Unmöglichen nach, zum bitteren Gewissen des Okzidents. Aber
andere Zeiten können all dem, was ich tue, einen wahrhaftigen Sinn
beimessen. Ich bin weder ein Faulenzer, noch ein Arbeiter, ich bin ein Außerirdischer. Ich liebe all das Unmögliche, all das
Entfernte. Andere Menschen schlagen die Saite, die ich schlage, und das
wird der ganze Rausch sein. Ich
lebe, wie ich eben kann. Jeden Morgen wundere ich mich, noch eine Tag länger
da zu sein. Jeden Abend, wenn ich bis an meine Schlafstatt komme, frage
ich mich: Wie viele Nächte noch werde ich wohl noch erreichen? Und so
lebe ich, in einer Dauerniederlage, in einem Dauerschüttelfrost. Voller
Schrecken schreibe ich meine Verse. Ich mache meine Lieben voller
Schrecken. Danach wird noch irgendjemand sagen, ich sei ein Genie
gewesen, aber ich lebe voller Schrecken. Meistens
verliere ich, und wenn ich gewinne, erwarten schon hundert hungrige Münder
diesen Ton. Indio
Gris DAS HIER IST WERBUNG
LLANTOS DEL EXILIOAUTOR: |